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Energetische Sanierung

Energetische Sanierung

Thermomodernisierung Schritt für Schritt: Ablauf, Dämmstoffe, Fassade und Kosten für die Sanierung bestehender Gebäude.

Ein Backsteinhaus der 1960er mit Geruest an einer Fassade und Daemmplatten im Vorgarten
Ein Backsteinhaus der 1960er mit Geruest an einer Fassade und Daemmplatten im Vorgarten
Ein älteres Haus verbraucht oft mehr Energie, als seine Bewohner wahrnehmen. Die Wärme entweicht über schlecht gedämmte Wände, undichte Fenster und ein ungedämmtes Dach, während die Heizung im Keller dagegen arbeitet. Die energetische Sanierung setzt genau dort an: Sie verbessert zuerst die Gebäudehülle, dann die Technik, und senkt so den Verbrauch dauerhaft. Dieser Überblick zeigt, in welcher Reihenfolge man vorgeht, welche Maßnahmen sich lohnen und wie man Kosten und Förderung einordnet.

Was energetische Sanierung umfasst

Der Begriff umfasst alle Maßnahmen, die den Energiebedarf eines bestehenden Gebäudes senken. Dazu gehören die Dämmung von Wänden, Dach und Kellerdecke, der Austausch alter Fenster, die Abdichtung gegen Zugluft und der Einbau einer kontrollierten Lüftung. Erst danach geht es um die Heizung, denn eine neue Heizung in einem undichten Haus verschwendet weiter Energie. Diese Reihenfolge nennt man Hülle vor Technik. Sie klingt selbstverständlich, wird aber häufig verletzt, weil eine neue Heizung schneller sichtbar ist als eine neue Fassade. Wer die Reihenfolge einhält, gibt sein Geld dort aus, wo es den größten Effekt hat.

Der erste Schritt ist die Bestandsaufnahme

Vor jeder Maßnahme steht die Frage, wo die Energie tatsächlich verloren geht. Eine Bestandsaufnahme erfasst die Bauweise, das Alter der Bauteile, die Fenster, die Heizung und die Lüftung. Hilfreich sind ein Grundriss, Fotos der Fassade und, wenn vorhanden, alte Baupläne. In vielen Fällen lohnt sich eine Thermografie im Winter, weil sie die kalten Stellen sichtbar macht. Wer diese Bestandsaufnahme ernst nimmt, plant gezielt und vermeidet teure Maßnahmen an der falschen Stelle. Der ausführliche Weg von der Analyse bis zur Abnahme steht im Beitrag zur Thermomodernisierung im Bestand.

Die Fassade zuerst

Die Außenwand ist bei vielen Altbauten die größte Verlustfläche. Eine Dämmung der Fassade senkt den Wärmebedarf deutlich, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird. Zur Wahl stehen Wärmedämmverbundsysteme, vorgehängte Fassaden und in besonderen Fällen eine Innendämmung. Jedes System hat Grenzen, etwa bei denkmalgeschützten Fassaden, bei Feuchte im Mauerwerk oder bei sehr schmalen Grundstücken. Welche Variante passt, hängt vom Gebäude ab und wird im Beitrag zur Fassadendämmung im Altbau verglichen. Wichtig ist, dass die Dämmung nicht nur die Wand verbessert, sondern auch die Anschlüsse, also Fensterlaibungen und Deckenränder.

Den richtigen Dämmstoff wählen

Hinter dem Begriff Dämmung verbergen sich sehr unterschiedliche Materialien. Mineralwolle, Holzfasern, Zellulose und Schaumstoffe unterscheiden sich in Wärmeleitfähigkeit, Feuchteverhalten, Brandschutz und Preis. Ein Material, das in einer hinterlüfteten Fassade gut funktioniert, kann in einer Innendämmung problematisch sein. Deshalb gehört die Materialwahl zur Planung und nicht zum Einkauf. Eine Übersicht der Kennwerte und Einsatzgebiete bietet der Vergleich der Dämmstoffe.

Fenster, Dach und Kellerdecke

Nach der Wand folgen die anderen Hüllflächen. Alte Fenster mit einfacher Verglasung verlieren viel Wärme und verursachen Zugluft. Neue Fenster mit Mehrfachverglasung und gedämmten Rahmen senken den Verlust, verlangen aber eine angepasste Lüftung, weil ein dichtes Haus weniger Luft austauscht. Das Dach ist bei Einfamilienhäusern oft die zweitgrößte Verlustfläche, weil warme Luft nach oben steigt. Die Dämmung der obersten Geschossdecke oder des Daches gehört deshalb fast immer zum Sanierungspaket. Die Kellerdecke ist kleiner, aber einfach zu dämmen, und senkt die Kältebrücke zum unbeheizten Bereich. Wer diese drei Flächen zusammen angeht, erreicht mehr, als wenn er sie einzeln nacheinander saniert.

Lüftung und Heizung

Wenn die Hülle dicht ist, muss frische Luft kontrolliert zugeführt werden. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung bringt Außenluft herein und gibt die Wärme der Abluft an sie ab, bevor sie entweicht. So bleibt das Haus frisch, ohne dass Fensterlüften die Wärme hinauswirft. Erst wenn Hülle und Lüftung stimmen, wird die Heizung neu dimensioniert. Oft fällt sie kleiner aus als zuvor, manchmal reicht eine Wärmepumpe oder eine kleine Zusatzheizung. Eine zu groß gewählte Heizung taktet häufig und arbeitet unwirtschaftlich, weshalb die Heizlast sorgfältig berechnet werden sollte. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag zur Heizlastberechnung.

Förderung und Kosten einordnen

Energetische Sanierung kostet Geld, und die Preise schwanken je nach Region und Umfang. Förderprogramme senken den Aufwand, knüpfen die Zuschüsse aber an Standards, die das Gebäude nach der Sanierung erreichen muss. Wer die Anforderungen kennt, kann die Maßnahmen danach ausrichten und Förderung mitnehmen. Die wichtigsten Standards und ihre Anforderungen sind im Beitrag zu den Gebäudeenergie-Standards zusammengefasst. Unabhängig von der Förderung gilt: Eine Sanierung rechnet sich über viele Jahre durch niedrigere Betriebskosten, einen höheren Wohnkomfort und einen geringeren Wartungsaufwand.

Reihenfolge und Zeitplan

Eine Sanierung lässt sich nicht in einem Wochenende erledigen, und selten passt alles in ein Budget. Deshalb ist ein Zeitplan sinnvoll, der die Maßnahmen nach Wirkung und Gelegenheit ordnet. Wer ohnehin ein Dach neu deckt, dämmt es im selben Zug. Wer die Fassade streicht, dämmt sie gleich mit. Wer ein Bad saniert, verlegt in diesem Zug die Lüftungsleitungen. Diese Kopplung spart Gerüstkosten und vermeidet, dass dieselbe Stelle zweimal geöffnet wird. Ein guter Plan erstreckt sich über mehrere Jahre und beginnt mit der Bestandsaufnahme.

Was nach der Sanierung zu prüfen ist

Am Ende steht nicht nur die Abnahme der Bauarbeiten, sondern eine Kontrolle der erreichten Werte. Eine Luftdichtheitsmessung zeigt, wie dicht die Hülle tatsächlich ist. Die Heizung wird neu eingestellt, damit sie zum gesunkenen Bedarf passt. Die Lüftung wird eingeregelt, damit in jedem Raum genug Frischluft ankommt. Diese Schritte sind unspektakulär, entscheiden aber darüber, ob die Sanierung ihre Wirkung entfaltet. Wer sie überspringt, hat bezahlt, ohne den vollen Nutzen zu erhalten. Die Planung dieser Schritte gehört in die Fachplanung, nicht in die Restarbeit am Ende.

Was am Ende zählt

Eine energetische Sanierung ist kein einzelner Handgriff, sondern eine Kette von Entscheidungen. Sie beginnt bei der Analyse, führt über die Hülle zur Lüftung und endet bei der Heizung. Jede Maßnahme wirkt besser, wenn die vorherige erledigt ist. Wer die Reihenfolge einhält, spart Geld und vermeidet Nacharbeit. Wer sie umgeht, zahlt doppelt und wundert sich über den Verbrauch. Am Ende zählt nicht die einzelne Technik, sondern das Zusammenspiel von Hülle, Lüftung und Wärmequelle, abgestimmt auf das Gebäude und seine Nutzer.

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