Planung und Forschung
Gebäudeenergie-Standards im Vergleich
KfW-Effizienzhaus, Passivhaus, NZEB und GEG: was die Standards fordern, wie sie sich unterscheiden und was sie in der Praxis kosten.

Warum es Standards gibt
Ohne gemeinsame Maßstäbe ließe sich kaum beurteilen, ob ein Gebäude sparsam ist. Ein Standard legt fest, wie viel Heizwärme oder Primärenergie ein Haus pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen darf, und beschreibt, wie diese Werte nachzuweisen sind. So wird ein Entwurf prüfbar und mit anderen vergleichbar. Standards sind außerdem die Grundlage für Förderprogramme, die Zuschüsse an das Erreichen eines bestimmten Niveaus knüpfen. Wer die Anforderungen kennt, kann ein Projekt gezielt darauf ausrichten.
Das Passivhaus
Der Passivhaus-Standard wurde in den 1990er Jahren entwickelt und fordert einen sehr geringen Heizwärmebedarf. Erreicht wird das durch eine gut gedämmte, luftdichte Hülle, eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Ausrichtung, die solare Gewinne nutzt. Ein Passivhaus kommt ohne klassisches Heizsystem aus oder benötigt nur eine kleine Zusatzwärmequelle. Der Standard ist anspruchsvoll, aber mit heutiger Technik beherrschbar. Er ist kein staatlicher Standard, sondern eine freiwillige Zertifizierung, die international verbreitet ist.
Das KfW-Effizienzhaus
In Deutschland fördert die KfW-Bank energetische Sanierungen und Neubauten über das Effizienzhaus. Es gibt mehrere Stufen, die sich danach richten, wie nahe das Gebäude an einen Referenzwert herankommt. Je niedriger die Stufe, desto strenger die Anforderungen und desto höher die Förderung. Der Nachweis erfolgt über den Energiebedarf und die Qualität der Hülle. Für Sanierungen ist das Effizienzhaus der wichtigste Hebel, weil es die Reihenfolge der Maßnahmen vorgibt. Wer saniert, sollte die Anforderungen früh kennen, um die Maßnahmen danach zu bündeln.
Niedrigstenergiegebäude (NZEB)
Die Europäische Union verlangt, dass neue Gebäude den Standard eines Niedrigstenergiegebäudes erreichen. NZEB steht für nearly zero-energy building, also ein Gebäude mit sehr geringem Energiebedarf, das diesen zu einem großen Teil aus erneuerbaren Quellen deckt. Der Standard ist nicht einheitlich geregelt, sondern wird von jedem Mitgliedstaat umgesetzt. Er ist weniger streng als das Passivhaus, aber verbindlich für Neubauten. Wer in der EU baut, hat mit NZEB die gesetzliche Untergrenze zu beachten.
Weitere Zertifikate
Neben den genannten Standards gibt es Zertifikate wie LEED und BREEAM, die ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum stammen und neben Energie auch Material, Wasser und Standort bewerten. Sie sind bei Bürogebäuden und großen Projekten verbreitet. Für ein Einfamilienhaus sind sie selten relevant, weil der Aufwand hoch und der Nutzen gering ist. Für größere Bauvorhaben können sie dagegen ein Marketingfaktor sein. Wer sie nutzt, sollte wissen, dass sie den Energiebedarf nur als einen Teil bewerten.
Was die Anforderungen praktisch bedeuten
Alle Standards stellen letztlich dieselben Fragen: Wie gut ist die Hülle, wie dicht ist das Gebäude, wie wird gelüftet und woher kommt die Wärme? Ein strenger Standard verlangt eine bessere Hülle, eine kontrollierte Lüftung und eine kleinere Heizung. Das hat Folgen für die Kosten und für die Reihenfolge der Maßnahmen. Wer die Anforderungen früh einplant, kann sie günstiger erfüllen, als wenn er sie am Ende nachrüstet. Die Grundlagen der Auslegung stehen im Beitrag zur Heizlastberechnung.
Welchen Standard wählen
Die Wahl hängt vom Ziel ab. Wer einen möglichst geringen Verbrauch will und den Aufwand nicht scheut, wählt das Passivhaus. Wer eine Förderung nutzen will, richtet sich nach dem Effizienzhaus. Wer in der EU neu baut, muss ohnehin NZEB erfüllen. Für Sanierungen ist eine Stufe des Effizienzhauses meist der pragmatische Weg, weil sie Förderung mit einem erreichbaren Ziel verbindet. Der Rahmen dafür steht im Bereich zur energetischen Sanierung.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG)
In Deutschland fasst das Gebäudeenergiegesetz die früheren Regelungen zur Energieeinsparung zusammen. Es legt Anforderungen an Neubauten und an Sanierungen fest, etwa an den Primärenergiebedarf und an die Qualität der Hülle. Wer neu baut, muss diese Anforderungen einhalten, unabhängig davon, ob er einen Förderstandard anstrebt. Das Gesetz ist damit die gesetzliche Untergrenze, während Passivhaus und Effizienzhaus darüber liegen. Wer die Grenze kennt, kann einschätzen, wie viel zusätzlicher Aufwand für einen höheren Standard nötig ist.
Der Energieausweis
Jedes Gebäude, das verkauft oder vermietet wird, braucht einen Energieausweis. Er zeigt den Energiebedarf oder den Verbrauch und ordnet das Gebäude in eine Skala ein. Der Ausweis ist keine Bauvorschrift, sondern ein Informationsinstrument für Käufer und Mieter. Für Bauherren ist er insofern nützlich, als er die Werte des Gebäudes dokumentiert und mit anderen vergleichbar macht. Wer saniert, sollte den Ausweis nach den Arbeiten aktualisieren, damit die Verbesserung sichtbar wird. Die Werte darin folgen denselben Größen, die auch die Standards verwenden.
Primärenergie und Endenergie
Die Standards messen den Bedarf auf zwei Arten. Die Endenergie ist das, was am Gebäude tatsächlich ankommt, etwa Gas oder Strom. Die Primärenergie rechnet die Vorkette mit, also Gewinnung, Umwandlung und Transport. Ein Gebäude, das mit Strom aus Kohle heizt, hat einen hohen Primärenergiebedarf, selbst wenn die Endenergie niedrig ist. Deshalb begünstigen die Standards erneuerbare Quellen. Wer die beiden Größen verwechselt, kann die Anforderungen falsch einschätzen und sich über den Nachweis wundern.
Was sich in der Praxis lohnt
Für die meisten Bauherren ist die Wahl des Standards eine Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen. Ein sehr strenger Standard kostet mehr beim Bau, senkt aber den Verbrauch und den Wartungsaufwand. Ein mittlerer Standard erfüllt die gesetzliche Pflicht und öffnet manche Förderung. Wer die Anforderungen kennt, kann entscheiden, ob sich der zusätzliche Aufwand für ihn rechnet. Wichtig ist, den Standard früh zu wählen, weil er die Bauteile und die Lüftung bestimmt. Wer ihn erst am Ende festlegt, muss nachbessern.